+ Auf Thema antworten
Seite 9 von 9 ErsteErste ... 789
Zeige Ergebnis 201 bis 204 von 204

Antirussische Propaganda in den westlichen Mainstreammedien

  1. #201
    Kabel Wurm rot rot rot  Benutzerbild von Nihilokrat
    Registriert seit
    Jan 2012
    Beiträge
    946
    Thumbs Up
    307 | 227
    Points: 677, Level: 5
    Level completed: 64%, Points required for next Level: 73
    Overall activity: 34,0%

    AW: Antirussische Propaganda in den westlichen Mainstreammedien

    Da hier die Klassifikation als Propaganda etwas verwischt wurde, und dadurch generell das Verhältnis der amerikanischen und westlichen Medienwelt zur russischen zum Tragen kam, passt dieser Artikel wohl auch sehr gut hierein. Er ist ausführlich, informativ, teils spekulativ und insgesamt äußerst lesenswert. Egal, ob man mit den Linien, die mitunter gezogen werden, übereinstimmt oder nicht, der gesamte Text ist meiner Meinung nach qualitativ hochwertig. Man sollte auf jeden Fall etwas Zeit einplanen.

    How Russia Often Benefits When Julian Assange Reveals the West’s Secrets

    American officials say Mr. Assange and WikiLeaks probably have no direct ties to Russian intelligence services. But the agendas of WikiLeaks and the Kremlin have often dovetailed.

    Julian Assange was in classic didactic form, holding forth on the topic that consumes him — the perfidy of big government and especially of the United States.

    Mr. Assange, the editor of WikiLeaks, rose to global fame in 2010 for releasing huge caches of highly classified American government communications that exposed the underbelly of its wars in Afghanistan and Iraq and its sometimes cynical diplomatic maneuvering around the world. But in a televised interview last September, it was clear that he still had plenty to say about “The World According to US Empire,” the subtitle of his latest book, “The WikiLeaks Files.”

    From the cramped confines of the Ecuadorean Embassy in London, where he was granted asylum four years ago amid a legal imbroglio, Mr. Assange proffered a vision of America as superbully: a nation that has achieved imperial power by proclaiming allegiance to principles of human rights while deploying its military-intelligence apparatus in “pincer” formation to “push” countries into doing its bidding, and punishing people like him who dare to speak the truth.

    Notably absent from Mr. Assange’s analysis, however, was criticism of another world power, Russia, or its president, Vladimir V. Putin, who has hardly lived up to WikiLeaks’ ideal of transparency. Mr. Putin’s government has cracked down hard on dissent — spying on, jailing, and, critics charge, sometimes assassinating opponents while consolidating control over the news media and internet. If Mr. Assange appreciated the irony of the moment — denouncing censorship in an interview on Russia Today, the Kremlin-controlled English-language propaganda channel — it was not readily apparent.

    Now, Mr. Assange and WikiLeaks are back in the spotlight, roiling the geopolitical landscape with new disclosures and a promise of more to come.

    [...]
    Weiterlesen.

    Ich bin über diesen Beitrag auf Reddit darauf gestoßen, muss aber gleich dazusagen, dass ich das restliche Material, das der User vorträgt, noch nicht gesichtet habe.

    0 Not allowed!
    nosce te

  2. #202
    GUARDIAN grau grau grau grau grau  Benutzerbild von bushido
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Southern Hemisphere
    Beiträge
    12.889
    Thumbs Up
    874 | 1.004
    Points: 21.427, Level: 35
    Level completed: 57%, Points required for next Level: 523
    Overall activity: 99,9%
    Zitat Zitat von Nihilokrat Beitrag anzeigen
    Da hier die Klassifikation als Propaganda etwas verwischt wurde, und dadurch generell das Verhältnis der amerikanischen und westlichen Medienwelt zur russischen zum Tragen kam, passt dieser Artikel wohl auch sehr gut hierein. Er ist ausführlich, informativ, teils spekulativ und insgesamt äußerst lesenswert. Egal, ob man mit den Linien, die mitunter gezogen werden, übereinstimmt oder nicht, der gesamte Text ist meiner Meinung nach qualitativ hochwertig. Man sollte auf jeden Fall etwas Zeit einplanen.

    Weiterlesen.

    Ich bin über diesen Beitrag auf Reddit darauf gestoßen, muss aber gleich dazusagen, dass ich das restliche Material, das der User vorträgt, noch nicht gesichtet habe.
    Vielleicht liegt das einfach daran, daß die Verbrechen westlicher Staaten viel zu lange unter den Teppich gekehrt wurden und die Menschen langsam aber sicher genug haben.

    Neuerdings sitzt Trump in einem Boot mit Russland und sabotiert "Killary" Clintons Wahlkampf. Beweise gibt es dafür natürlich keine, aber das brauchen die westlichen MSM ja nie.


    Wer im Glashaus sitzt: Fancy Bear leakt weitere Doping-Dokumente – Deutsche Olympioniken belastet

    Wer im Glashaus sitzt: Fancy Bear leakt weitere Doping-Dokumente – Deutsche Olympioniken belastet — RT Deutsch
    Findest du es nicht lächerlich, daß die Leaks in Sachen russischer Sportler von der ganzen Welt aufgenommen und umgehend Konsequenzen gezogen wurden, während russische Leaks im Bezug auf westliche Sportler heruntergespielt oder als Fake bezeichnet werden? Viel offensichtlicher kann man gar nicht heucheln!

    0 Not allowed!
    Post des Jahres 2015 (raid-rush)

    Nein interessiert mich nicht, und selbst wenn das WTC7 hinterher gesprengt wurde, vll war es eh sinnvoll weil der Komplex im Weg stand ...

    http://board.raidrush.ws/threads/810263-Verschw%C3%B6rungstheorien?p=11214974#post11214974

  3. #203
    Kabel Wurm rot rot rot  Benutzerbild von Nihilokrat
    Registriert seit
    Jan 2012
    Beiträge
    946
    Thumbs Up
    307 | 227
    Points: 677, Level: 5
    Level completed: 64%, Points required for next Level: 73
    Overall activity: 34,0%
    Zitat Zitat von bushido Beitrag anzeigen
    Vielleicht liegt das einfach daran, daß die Verbrechen westlicher Staaten viel zu lange unter den Teppich gekehrt wurden und die Menschen langsam aber sicher genug haben.
    Es wurde immer schon ausführlich über Verbrechen jeglicher Art, jedweder Nation berichtet. Manche Begebenheiten wurden nicht oder zu spät erkannt, manche Dinge wurden als Nonsens abgetan, nur, um später dann rechtmäßig angeprangert zu werden, manche Dinge wurden nachlässig behandelt und manche in der Tat ignoriert. Das große Problem, das viele Menschen mit dem Verhalten des "Unter-Den-Teppich-Kehrens" haben ist meines Erachtens nach nicht, dass westliche Staaten die einzigen sind, die dies machen oder diejenigen, die es besonders gerne machen, sondern, dass sie damit ihre oftmals laut vorgetragenen moralischen und ethischen Ansprüche konterkarieren. Und hier sind in der Tat die USA insbesondere schuldig.

    Zitat Zitat von bushido Beitrag anzeigen
    Neuerdings sitzt Trump in einem Boot mit Russland und sabotiert "Killary" Clintons Wahlkampf. Beweise gibt es dafür natürlich keine, aber das brauchen die westlichen MSM ja nie.
    Dies sind harsch formulierte Vorwürfe, denn Trump sympathisiert zwar offen mit Putin beziehungsweise Russland, sitzt daher aber noch lange nicht (immer und überall) im selben Boot. Von offener Sabotage weiß ich jetzt auch nichts, genausowenig ist mir jedoch untergekommen, dass dies von seriöser Seite behauptet wurde. Die Schreihälse und Vorprescher bei bestimmten narrativen Strömungen sollte man nicht als Vorreiter nehmen, um die eine oder andere Seite in ihrer Haltung und Handlung zu diskreditieren.

    Zitat Zitat von bushido Beitrag anzeigen
    Findest du es nicht lächerlich, daß die Leaks in Sachen russischer Sportler von der ganzen Welt aufgenommen und umgehend Konsequenzen gezogen wurden, während russische Leaks im Bezug auf westliche Sportler heruntergespielt oder als Fake bezeichnet werden? Viel offensichtlicher kann man gar nicht heucheln!
    Zum einen unterscheiden sich die Leaks in ihrem Umfang und ihrer Qualität. Russland wurde systematisches, vom Staat toleriertes oder sogar unterstütztes Doping vorgeworfen. Die Ermittlungen diesbezüglich fingen schon vor über fünf Jahren an und haben erst dieses Jahr, vor den olympischen Spielen, ihren Höhepunkt gefunden.

    Demgegenüber steht zunächst, dass die von der Hackergruppe "Fancy Bear" veröffentlichten Daten erst seit einigen Tagen im Umlauf sind. Hinzu kommt, dass zwar eine ganze Reihe westlicher Athleten des Dopings beschuldigt werden, dies aber eine andere Qualität als systematisches, vom Staat toleriertes oder sogar gefördertes Doping hat. Ertappte Sünder wie Lance Armstrong, Asafa Powel, usf. hat es immer gegeben. Der Tohuwabu um die Kunden des spanischen Arztes Fuentes kann zum Beispiel ebenfalls als systematisch bezeichnet werden.

    Ich würde also erstmal abwarten, bis die geleakten Daten verifiziert sind. Falls sie sich bewahrheiten sollten, wird es mit Sicherheit Untersuchungen bei den genannten Sportlern geben. Ob es sich um Einzelfälle handelt, wonach es momentan aussieht, oder man am Ende doch auf die Spur eines umfangreicheren, vertrackteren Dopingprogrammes kommt, bleibt abzuwarten.

    0 Not allowed!
    nosce te

  4. #204
    Kabel Wurm rot rot rot  Benutzerbild von Nihilokrat
    Registriert seit
    Jan 2012
    Beiträge
    946
    Thumbs Up
    307 | 227
    Points: 677, Level: 5
    Level completed: 64%, Points required for next Level: 73
    Overall activity: 34,0%

    AW: Antirussische Propaganda in den westlichen Mainstreammedien

    Noch ein Igor als Zeuge: Das ZDF verkämpft sich gegen Putin

    Voriger Mittwoch, 22:45 Uhr. Das ZDF fährt großes Geschütz auf. „Putins Kalter Krieg – ein russischer Spion packt aus“ heißt der Film von Egmont R. Koch.

    Zu nervösen Streicherklängen hören wir: „Er kennt die verantwortlichen Generäle und die geheimen Pläne des Kreml. Er weiß, wie russische Agenten den Westen unterwandern.“

    Es folgt ein 43 Minuten langer Husarenritt durch allerlei Altbekanntes und viel Konjunktivisches: Hans-Georg Maaßen darf vor der Desinformationskampagne des Kremls warnen, eine Reihe tschetschenischer Flüchtlinge vor dem Zugriff des Republikchefs Ramsan Kadyrow in Deutschland, ein NATO-Experte vor der russischen Propaganda.

    Die eigentliche Sensation des Filmes aber ist der Kronzeuge. „Igor“, dessen Gesicht und Stimme unkenntlich gemacht wurden, war „bis vor wenigen Jahren ein hohes Tier im russischen Inlandsgeheimdienst FSB, Abteilungsleiter im Rang eines Oberst. Unter ihm arbeiteten 50 Offiziere und 400 Agenten.“ Aber nicht nur das: Er habe zu den Top 50 des FSB gehört, sagt „Igor“. „Tatsächlich könnte Igor der ranghöchste Geheimdienstoffizier sein, der sich in der Ära Putin aus Russland abgesetzt hat“, folgert Koch.

    Koch erzählt nicht, dass Igor seit 2008 nicht mehr für den FSB arbeitet. Er vergisst auch zu erwähnen, dass Igor lediglich Abteilungsleiter beim FSB in Wolgograd war. Top 50?

    Schon Ende 2015 war das ZDF im Dokumentarfilm „Machtmensch Putin“ auf einen falschen Protagonisten hereingefallen: Der Produzent Walerij Bobkow hatte dem Sender damals als Kronzeugen für den Einsatz von Russen in der Ostukraine einen jungen Mann namens „Igor“ untergejubelt, der dort nie gekämpft hatte. Die Autoren dieses Textes hatten das damals recherchiert.

    Und nun wieder ein „Igor“ als Kronzeuge.

    Auch dieser ist nicht der, für den er sich ausgibt. „Igor“ gehört nicht zu den Top 50 des russischen FSB. „Igor“ ist in Wirklichkeit Pjotr Samarskij, geboren am 1. November 1971, FSB-Oberst aus der Stadt Wolgograd (ehemals Stalingrad), der dort im Jahr 2008 im Konflikt mit seinem Vorgesetzten den FSB verlassen musste. Ihm wurde vorgeworfen, von Geschäftsleuten Schutzgeld erpresst zu haben.

    Dieser Vorwurf könnte vielen FSB-Mitarbeitern gemacht werden: Seit den neunziger Jahren gehörte der „Schutz“ vor Banditen zum (inoffiziellen) Geschäft des FSB. Der wahre Grund für Samarskijs Entlassung war offenbar der Streit mit seinem Vorgesetzten um eine Frau, die ebenfalls im Wolgograder FSB arbeitete. Das schreibt Samarskij selbst in einem Brief, den die Nowaja Gaseta damals veröffentlichte.

    Davon, dass er seine Tätigkeit nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, wie er im Film beteuert, war damals jedenfalls nicht die Rede, wie auch der Journalist Sergej Kanjew, der den Fall von Anfang an für die „Nowaja Gaseta“ recherchiert hat, beschreibt.

    2009 wurde Samarskij festgenommen; er konnte aber unter ungeklärten Umständen fliehen. Danach versteckte er sich in Russland vor seinen Verfolgern. Nach einer erneuten Festnahme und Flucht im Jahr 2012 setzte sich Samarskij ins Ausland ab. Seitdem ist sein Aufenthaltsort unbekannt, Russland hat ihn per Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Es ist davon auszugehen, dass er inzwischen in der Ukraine lebt.

    Verraten hat das ausgerechnet Egmont Koch mit seinem Film. Obwohl der verschwörerisch beginnt: „April 2016: Ich bin auf dem Weg zu einem konspirativen Treffen, irgendwo in Europa.“ Irgendwo in Europa? Koch verrät die Treffpunkte in dilettantischer Manier, die man von einem Dokumentarfilmer mit vier Jahrzehnten Erfahrung auf dem Buckel nicht erwarten würde.

    Das erste Treffen findet in einem Zimmer eines ukrainischen Hotels statt. Zur besseren Orientierung steht eine ukrainische Wasserflasche auf dem Tisch. Das zweite Treffen findet – so lassen es die Aufnahmen in der Lobby und im Aufzug erkennen – eindeutig im Hotel „Ukraina“ in Kiew statt. Und auf der Fahrt zum dritten Treffen sieht man durch Kochs Autofenster draußen typisch ukrainische Häuschen vorbeiziehen.

    Dass es sich bei „Igor“ um Samarskij handelt, lässt sich leicht herausfinden. Dazu reichen Google und Grundkenntnisse Russisch. Man sucht nach „flüchtiger FSB-Oberst“, dann schaut man, welche Kandidaten altersmäßig in Frage kommen, und dann benutzt man die Bildersuche. Schwupps, findet man ihn in der Uniform, die auch im Film vorkommt (nur die Oberst-Schulterklappen sind bei einem Bild noch nicht dran). Für Egmont Koch wäre die Recherche ja noch einfacher gewesen: Er kannte ja – so behauptet er im Film – Igors richtigen Namen.

    Im Gespräch mit Übermedien bestätigte Samarskijs ältester Sohn Nikolaj am Montag, dass der Mann im Film wohl sein Vater sei, auch wenn er sich nicht „zu 100 Prozent sicher“ sein könne. Er habe ihn zuletzt 2012 gesehen.

    Samarskij war zuletzt Leiter der Abteilung „Kampf gegen den Terror“ in der Wolgograder Regionalbehörde des FSB. Diese Abteilung ist wegen der Nähe zum Nordkaukasus bedeutender als vergleichbare Abteilungen in anderen Städten. Deshalb könnten seine Erzählungen darüber, dass der FSB tschetschenische Flüchtlinge mit gefälschten Papieren ausstattete, um diese später als Agenten zu benutzen, durchaus der Wahrheit entsprechen.

    Im Film erzählt „Igor“, er habe in einem der vom FSB genutzten Hochhäuser am Wernadskij-Prospekt in Moskau gearbeitet. In Wahrheit hat Samarskij sein ganzes Leben über in Wolgograd gewohnt und gearbeitet.

    Aber Koch präsentiert nicht nur einen Kronzeugen. Er hat auch einen Kronzeugen für dessen Glaubwürdigkeit. Er sagt, immer noch mit verschwörerischem Tonfall: „Ich fliege in die USA und will dort die Einschätzung eines Experten einholen. In Russland kann ich nicht recherchieren, ohne Igors Anonymität zu gefährden.“

    Der Mann, der „Igors“ Glaubwürdigkeit bezeugen soll, ist Yuri Felshtinsky, ein amerikanischer Historiker, der schon in den siebziger Jahren aus der Sowjetunion in die USA ausgewandert ist. Was ist das für ein Experte, wenn er Koch nicht die Wahrheit über seinen Kronzeugen aus dem FSB erzählt? Felshtinsky gelangte zu kurzer Berühmtheit, als er zusammen mit dem geflohenen Agenten Alexander Litwinenko 2002 in einem Buch behauptete, hinter den Explosionen von Wohnhäusern in drei russischen Städten 1999 stehe der FSB selbst. Diese Theorie gilt mangels Beweisen bis heute als Verschwörungstheorie. Die offizielle Version lautet, dass die Attentate von tschetschenischen Terroristen begangen wurden. Egal: Für Koch gilt „der Akademiker als bester Kenner des Geheimdienstes FSB außerhalb Russlands.“

    Felshtinsky muss vom ZDF-Mann größer gemacht werden, als er ist. „Vor der Bibliothek der renommierten Harvard-Universität treffe ich den russisch-amerikanischen Historiker Jurij Felshtinsky“, erzählt Koch. Felshtinsky hat allerdings mit dieser Universität nichts zu tun. Die größte Nähe zu amerikanischen Universitäten hatte er mit der Erlangung eines Doktortitels an der Rutgers University vor drei Jahrzehnten.

    Er soll nun fähig sein, die Bedeutung von „Igor“ zu beurteilen, meint der ZDF-Autor. „Ich würde sagen, der Wert seiner Informationen ist riesig“, sagt Felshtinsky. „Wenn er echt ist, sollten wir ihm unbedingt zuhören“. Wer mit den höchsten Generälen des FSB auf einem Bild sei, kenne zweifellos viele Geheimnisse des FSB, vor allem über die Strategie des Kremls gegen den Westen.

    Doch das Bild, das laut „Spiegel“ 2008 in der Nähe von Moskau aufgenommen wurde, könnte eher eine Tagung des FSB gewesen sein, zu der die Regionalleiter der Antiterrorabteilungen eingeladen waren. Die Wahrheit darüber kann aber wohl nur „Igor“ selbst erzählen.

    Kochs Film hat haarsträubende handwerkliche Fehler. Er behauptet: „Tschetschenien hatte nach dem Ende der Sowjetunion zwei Unabhängigkeitskriege gegen Russland verloren.“ Den ersten Krieg hatte Tschetschenien aber für sich entschieden, daraufhin entstand auf dem Gebiet die international nicht anerkannte „Tschetschenische Republik Itschkerien“. Deshalb wurde aus russischer Sicht der zweite Krieg überhaupt erst notwendig.

    Von Kochs mangelhaftem Verständnis der russischen Wirklichkeit zeugt auch die folgende Aussage: „[Der tschetschenische Präsident] Kadyrow arbeitet eng mit dem Geheimdienst FSB zusammen. Erst im Februar 2016 erhielt er eine hohe Auszeichnung dafür.“ Diese seltsame Statue ist aber alles andere als eine hohe Auszeichnung, sondern ein „Erinnerungsabzeichen“, das speziell für Kadyrow erfunden wurde, womöglich, um nach außen Einigkeit zu demonstrieren. Der Hintergrund: Der FSB steht mit Kadyrow in ständigem Konflikt um die Macht in Tschetschenien – und wegen der Versuche Kadyrows, seine Macht auch in Moskau umzusetzen. Insbesondere nach dem Mord an Oppositionspolitiker Boris Nemzow 2015 durch Tschetschenen aus dem Umfeld von Kadyrow trat dieser Konflikt offen zu Tage.

    An einer anderen Stelle sagt Koch, er habe „Igors“ Dienstausweis gesehen. Dabei fährt die Kamera über ein Dokument, auf dem eindeutig die Aufschrift „Удостоверение личности военнослужащего Российской Федерации“ zu erkennen ist, also „Ausweis eines Militärangehörigen der Russischen Föderation“.

    Wichtiger aber ist, dass die Beweisführung für zentrale Behauptungen des Filmes in sich zusammenfällt, wenn man die Wahrheit über Samarskij erfährt. Hat Koch sie verschwiegen oder einfach nicht recherchiert? Beides wäre unverzeihlich.

    So will Koch von „Igor“ etwas über die Desinformationskampagnen gegen den Westen erfahren. Und bekommt allgemeines Gerede von „kleinen, aber effektiven Gemeinheiten“ zur Antwort. Was soll er denn auch wissen, der Abteilungsleiter aus Wolgograd, der seit neun Jahren nicht mehr im Dienst ist? Ach so. Das weiß ja der Zuschauer nicht! Der denkt ja immer noch, dass er einen der „Top 50“ des russischen FSB vor sich hat, „bis vor wenigen Jahren ein hohes Tier im FSB.“

    Dasselbe gilt für die „Renaissance der psychologischen Kriegsführung“. Igor erzählt von einer Episode von 2007, als beim Staatsbesuch in Sotschi Putins Hund an Angela Merkel schnupperte – „eine Erniedrigung auf höchstem Niveau.“ Welche wertvollen Hinweise kann ein Abteilungsleiter zu dieser – wie es in Kanzleramtskreisen erzählt wird – geplanten Provokation geben? Sie ahnen es: keine.

    Besonders abenteuerlich ist Igors Erzählung darüber, dass Putin insgeheim dafür sorge, dass der Flüchtlingsstrom nach Europa wachse. Als Beispiel nennt er Finnland, wo zwischen September 2015 und März 2016 über die sogenannte „Murmansk-Route“ Tausende Asyl beantragten. Igor behauptet, diese Flüchtlinge seien vom FSB angeworben worden. Nur zur Erinnerung: Der Mann ist seit 2008 nicht mehr im Dienst.

    Wir haben dazu Swetlana Gannuschkina befragt, eine der renommiertesten russischen Menschenrechtsaktivistinnen, die sich seit Jahren um Flüchtlinge kümmert. Sie nennt den Gedanken, dass der FSB diesen Strom steuern könnte, „absurd“:

    „Migranten in Moskau und anderen Städten, die schon länger in Russland waren, haben 2015 davon Wind bekommen, dass Norwegen Menschen aufnimmt, also sind die Leute nach Murmansk gefahren. Diese Gerüchte kamen unter den Migranten selbst auf und wurden von Menschen, die daran Geld verdient haben, angeheizt. Diese Fluchthelfer hatten wiederum beste Verbindungen zum lokalen Grenzschutz, dessen Beamte daran ebenfalls mitverdient habe. Ich habe selber gesehen, wie der Fluchthelfer im Auto mehrere Flüchtlinge an die Grenze brachte und gesammelt die Papiere an Grenzbeamte übergeben hat. Die meisten haben für all das viel Geld bezahlt und ihr ganzes Hab und Gut verkauft, um diese Reise auf sich nehmen zu können. Russland hat sicherlich kein Interesse gehabt, diese Menschen hier zu behalten, deshalb legte man dem Ganzen auch keine Steine in den Weg. Ich würde sagen, man hat diese Ströme toleriert, aber nicht geleitet oder gar hervorgerufen.“

    Warum hat der renommierte Dokumentarfilmer Egmont Koch nicht mit Swetlana Gannuschkina gesprochen? Ach ja, er hat es ja selber erklärt: „In Russland kann ich nicht recherchieren, ohne Igors Anonymität zu gefährden.“

    Keine weiteren Fragen.

    Was treibt das ZDF an, schon wieder so zu holzen? Klar, man darf schweres Geschütz auffahren gegen Putin – Grund gibt es genug –, aber umso mehr muss man dann auf festem faktischen Grund stehen. Besonders dann, wenn man dem Kreml „Fake News“ und „Desinformationskampagnen“ vorwirft. Die beiden „Igors“ sind Futter für diejenigen, die eine große Medienkampagne gegen Russland wittern. Dass in beiden Filmen viel Richtiges erzählt wird – etwa über die Rolle Russlands beim Krieg in der Ostukraine – gerät angesichts der handwerklichen Fehler in den Hintergrund.

    Am Montag voriger Woche hatte der Rechercheverbund aus „Süddeutscher Zeitung“, WDR und NDR enthüllt, dass die deutschen Geheimdienste BND und BfV keine „Smoking Gun“ für gezielte Versuche Russlands gefunden hatten, die Bundesrepublik zu destabilisieren, weshalb der angekündigte Bericht der Dienste auch nicht veröffentlicht werde. Es ist eine Blamage für all jene Stimmen, die zuvor immer wieder die gezielte russische Kampagne gegen Deutschland an die Wand gemalt hatten, allen voran Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen.

    Kochs Film wird in der ZDF-Mediathek begleitet von einem servilen „Kamingespräch“ mit Maaßen, in dem dieser seine Überzeugung (verpackt als „hält es für möglich“) wiederholen darf, dass Russland Einfluss auf den deutschen Wahlkampf nehmen werde. Keine „Smoking Gun“? Egal. Maaßen: „Was Cyberangriffe für ausländische Mächte so sexy macht, ist, dass man eigentlich nie eine Smoking Gun finden wird.“

    Egmont Koch wollte sich auf Nachfrage nicht zu unseren Recherchen äußern.
    Quelle.

    0 Not allowed!
    nosce te

Ähnliche Themen

  1. Propaganda <-> Agitation
    Von Uncle JaMal im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 22.06.2010, 15:43
  2. Islamisierung der westlichen Welt - Diskussion basierend auf Fakten(!)
    Von mr.knut im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft
    Antworten: 261
    Letzter Beitrag: 16.02.2010, 19:56
  3. ausländerkriminalität = propaganda
    Von graci im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft
    Antworten: 154
    Letzter Beitrag: 26.09.2009, 18:48
  4. Die westlichen Medien
    Von sve93 im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 11.06.2008, 21:45
  5. Propaganda oder Gedenken?
    Von D4rkR4nger im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 05.05.2007, 15:27

Stichworte

Forumregeln

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •